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Valve - Der Glücksspiel-Skandal - Die viel zu späte Reaktion

Von Wladislav Sidorov - Kolumne vom 14.07.2016 - 19:51 Uhr
Valve Screenshot

Seit Jahren baut sich auf dem Rücken von Valve eine zwielichtige Glücksspiel-Branche auf, die weder reguliert noch beobachtet wird. Der amerikanische Entwickler tat trotz heftiger Kritik von Branchenbeobachtern und Experten bis zuletzt nichts gegen die Tatsache, dass Minderjährige in einen illegalen Markt gesogen werden. Nach einem kürzlich aufgedeckten Glücksspiel-Skandal, an dem bekannte Streamer und YouTuber mitwirkten, greift Valve endlich durch. Viel zu spät, meint die Redaktion - der Schaden ist längst angerichtet.

Einst machte der legendäre Entwickler Valve Schlagzeilen mit Innovation, Revolution und Rebellion. Mit Klassikern wie Half-Life, Portal und Left 4 Dead machten sich die Amerikaner einen Namen, der sie bei jedem Spieler als die Götter der Branche hervorscheinen ließ. Wer wird die fantastisch portraitierten Charaktere um GLaDOS, Mr. Freeman und dem G-Man vergessen können?

Valve galt als unantastbar. Bis der Geruch des Geldes zu groß wurde.

Die einstigen Helden der Branche sind tief gefallen im Ansehen. Die berühmte "Valve-Time" ist nur ein Faktor, hoffnungsvolle Fans von Half-Life 3 lässt man seit mittlerweile mehr als zehn Jahren auf dem Trockenen. Das Unternehmen braucht keine Blockbuster aus den eigenen Reihen mehr. Die Menschen, die die großartigen Titel möglich gemacht haben, haben das Studio schon längst verlassen.

Von Mods zu Skins

Niemand weiß, was in den Reihen von Valve vor sich geht. Mit der Vertriebsplattform Steam, die auf dem PC-Markt für Videospiele eine Monopolstellung einnimmt, verdienen sich die Seattler eine goldene Nase. Im Laufe der Jahre entdeckten die Chef-Ökonomen von Valve, zu denen eine Zeit lang auch der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis gehörte, den lukrativen Markt mit optionalen kosmetischen Ingame-Items.

Was früher vom Spieler aus mit Mods eingebaut werden konnte, wird nun aufs Äußerte vermarktet. Für viele negative Schlagzeilen sorgte dabei Counter-Strike: Global Offensive, der erfolgreichste PC-Shooter der Welt mit einer Franchise-Historie von fast zwanzig Jahren. 

Der Wert des Aussehens

In CS:GO ist es möglich, für seine zahlreichen Waffen (AWP, AK-47, M4A1-S, etc.) Verzierungen zu erhalten. Die sogenannten Skins bieten keinerlei Nutzen, sind also ausschließlich kosmetisch verwendbar. Einige Skins kann man nur beim Erreichen eines neuen Levels erreichen, dies auch nur einmal pro Woche, einige andere nur aus speziellen Kisten, die mit einem kostenpflichtigen Schlüssel geöffnet werden können. Zu beachten ist der unterschiedliche Seltenheitswert der Skins: Häufig auftauchende Skins sind, logischerweise, weniger wert als selten auftauchende Skins. Wer eine Kiste für knapp 2,50€ öffnet, der hat also die Chance auf eine Tarnung, die möglicherweise nur 3 Cent wert ist, mit viel Glück aber auch mehrere hundert Euro. Die Skins lassen sich mit anderen Spielern tauschen oder auf dem Community-Markt für Steam-Guthaben verkaufen.

Diese Art von Glücksspiel ist prinzipiell nicht illegal, auch wenn sie umstritten ist. Der Spieler verliert nie, er bekommt ja immer etwas - auch, wenn es nicht viel wert ist. Die Gefahr, dass tausende junge Leute ihr gesamtes Taschengeld in die Kisten stecken, ist groß - aber nicht viel größer als bei Panini-Boosterpacks für das diesjährige EM-Sammelalbum. Mit dem Verkauf von Skins macht Valve hunderte Millionen Dollar.

Die wahre Gefahr steckt in den Seiten, die nichts mit Valve zu tun haben. Drittanbieter, die das Tauschsystem von Steam ausnutzen, um eigene Angebote mit den Skins auf den Markt zu bringen. Und genau die werden jetzt um ihre Zukunft bangen müssen.

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